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Die Macht der Gewohnheiten

Jedes Jahr überlegen die Menschen am Silvesterabend, was sie im neuen Jahr so alles umsetzen wollen – Abnehmen, mehr Sport, das Rauchen aufhören oder endlich das Smartphone aus dem Schlafzimmer verbannen.
Was glauben Sie – wieviele Smartphones liegen trotz der guten Vorsätze noch immer im Schlafzimmer? Wieviele Diäten sind Mitte Februar  schon wieder abgebrochen? Wieviele gehen nach 6 Wochen noch regelmäßig ins Fitness-Studio?

Ein kürzlich im „Journal of Experimental Psychology: General“ veröffentliche Studie zeigt etwas sehr faszinierendes – Vermeidungsgewohnheiten sind leichter zu verändern als Annäherungsgewohnheiten.

Den regelmäßigen Gang ins Fitnessstudio haben wir bis heute noch vermieden. Warum? Weil uns der Gedanke erst einmal eine schlechte Erinnerung und damit ein schlechtes Gefühl macht. Eine Vermeidungsgewohnheit.

Das Smartphone ist eine Annäherungsgewohnheit. Automatisch nach dem Smartphone zu greifen, ist für die meisten eher ein positives, angenehmes Gefühl.

Vermeidungsgewohnheiten:

regelmäßige Bewegung
das Gewicht verändern usw.
Annäherungsgewohnheiten:

das Glas Wein / Bier
Fernsehkonsum
der Griff zum Smartphone
Süssigkeit zwischendurch, usw.

Welche Gewohnheiten lassen sich leichter verändern? Gewohnheiten, die gute Gefühle erzeugen oder Gewohnheiten, die schlechte Gefühle erzeugen? Prof. Kuhbandner und Julia Haager (Pädagogische Psychologie an der Universität Regensburg) haben sich sich mit dieser Frage beschäftigt. Annäherungs- oder Vermeidungsgewohnheiten?

Zu diesem Zweck wurden zwei Experimente durchgeführt. Untersucht wurde zum einen, wie schnell sich Gewohnheiten bilden, sprich wie schnell gewöhnen wir uns an etwas. Und zum anderen wurde die Veränderung von Gewohnheiten untersucht.

Das deutliche Ergebnis – es ist sehr viel aufwändiger, eine Annäherungsgewohnheit zu verändern als eine Vermeidungsgewohnheit.  Wenn Sie also gute Gefühle bei den Süßigkeiten oder beim Griff zum Smartphone entwickelt haben, bedarf es eines hohen Aufwands, diese Verhaltensweisen zu durchbrechen. Andererseits werden diese Verhaltensweise auch noch viel schneller erlernt. Wir entwickeln möglichst schnell ein Verlangen und damit eben eine Gewohnheit.

Was fangen wir jetzt mit diesem Wissen an? Die Idee ist einfach – wir nutzen diesen Effekt. Probieren Sie einfach etwas neues aus. Wenn Sie also abnehmen wollen, gehen Sie einen neuen Weg. Halten Sie sich von den gemachten Erfahrungen, Diäten, Verzichten fern und testen Sie etwas neues. Wenn das dann gute Gefühle bereitet, entsteht schnell und nachhaltig eine neue Gewohnheit.

Das ist sehr viel einfacher, als eine alte Gewohnheit abzulegen. Konzentrieren Sie sich auf das Neue, lassen Sie  gute Gefühle entstehen und schon „vergessen“ Sie die alten Verhaltensweisen.

Falls Sie nach einem passenden Mental Training für diesen Ansatz suchen – das gibt es bei ConCardio.

Wenn Sie dauerhaft ins Handeln kommen möchten, geht das nur über gute Gefühle, die Vorfreude auf das Ziel und das wird nur mit der Installation von Gewohnheiten funktionieren.

Literatur / Quelle: Kuhbandner, C. & Haager, J.S. (2016). Overcoming approach and withdrawal habits: Approaching former enemies is easier than withdrawing from former friends [Abstract]. Journal of Experimental Psychology. General, 145 (11), 1438–1447.